Seele

ini_SeeleSeele; ist je nach mythischen, religiösen, philosophischen oder psychologischen Theorien, Lehren und Glaube sehr unterschiedlich und vielfältig. … Dieses sind ein paar Beispiele, angefangen mit den Vorstellungen der Antiken Griechen und denen von Carl Gustav Jung:

Homer’s Vorstellung der Seele (altgr. psychē: Hauch, Atem, Leben) nannte sie etwas an Mensch und Tier, das im Lebens nicht aktiv zu sein scheint, aber für das Leben notwendig ist und sich bei Ohnmacht und Tod vom Körper trennt. Im Gegensatz zur Seele galten die getrennten emotionalen Antriebe (thymós) als zerstörbar. Danach kamen Optimismus und Annahmen wie erotischen Empfindungen, moralische Eigenschaften, Seelenwanderung und die Einheit von Seele und Antrieben dazu. … Für Heraklit bewegte sie sich zwischen zwei gegensätzlichen Zuständen hin und her und er hielt sie für so tiefgründig, dass man ihre Grenzen nicht finden könnte. … Demokrit, Sokrates und Platon entwickelten zusätzliche Aspekte. Die Sorge um die Seele wurde mit der Einsichtsfähigkeit des Menschen und seinem Zugang zur Wahrheit verknüpft. … Aristoteles betrachtete die Seele als eine Kraft des Organismus „eines natürlichen Körpers, der potentiell Leben hat“, die ihn zur Selbstverwirklichung bringt (Entelechie). Nur dem Menschen ist zusätzlich die Vernunft, das Denken und der Geist eigen. … In der Mythologie wird Psyche (Amor und Psyche) als Allegorie der menschlichen Seele gesehen.

Carl Gustav Jung unterschied 1921 zwischen Seele und Psyche. Als Psyche bezeichnete er die gesamten bewussten und unbewussten psychischen Vorgänge. Er unterschied zwischen äußerer und innerer Persönlichkeit des Menschen, wobei die innere der Seele entspricht. Die äußere sei eine von den Absichten, Ansprüchen und Meinungen seiner Umgebung geprägte „Persona“ (lat. Maske von Schauspielern). Die innere Persönlichkeit, die Seele, ist „die Art und Weise, wie sich einer zu den inneren psychischen Vorgängen verhält“, seine innere Einstellung, „der Charakter, den er dem Unbewussten zukehrt“. Die Seele verhält sich gegensätzlich zur Persona und enthält die Eigenschaften, die der Persona fehlten. So gehört zu einer intellektuellen Persona eine sentimentale Seele, zu einer harten, tyrannischen, unzugänglichen Persona eine unselbständige, beeinflussbare Seele. Daher kann man den Charakter der nach außen verborgenen, häufig auch dem Bewusstsein des betreffenden Menschen selbst unbekannten Seele, aus dem Charakter der Persona ableiten.

Es gibt weltweit viele Vorstellungen und Lehren zur Seele, z.B. ist ein gemeinsames Merkmal aller indischen Traditionen, dass sie keinen Unterschied zwischen menschlichen Seelen und den Seelen anderer Lebensformen (Tiere, Pflanzen, auch Mikroben) machen. Im Hinduismus gibt es u.a. die individuelle Unsterblichkeit der Seele (des Selbst) und das Ziel ist das endgültige Ausscheiden aus dem Kreislauf der Seelenwanderung und der Eintritt in eine jenseitige Welt, in der die Seele dauerhaft verbleibt. Der Buddhismus vertritt die Anatta-Lehre und bestreiten die Existenz einer Seele oder eines Selbst im Sinne einer den Tod überdauernden einheitlichen und beständigen Realität. Das was den Tod überdauert und den Kreislauf der Wiedergeburt in Gang hält, ist nichts als ein vergängliches Bündel von mentalen Faktoren, hinter dem kein Personenkern als eigenständige Substanz steckt. In China gibt es u.a. eine Hauchseele, bzw. Freiseele und Exkursionsseele, die den Körper schon zu Lebzeiten verlassen kann und sich bei seinem Tod endgültig von ihm trennt.

Die altägyptische Denkweise ist eine enge Bindung des Seelischen ans Körperliche und daher noch über den Tod hinaus an den Leichnam und dessen Grab. Aspekte des Seelischen waren: Ka, Ba und Ach. Ka bezeichnete die Quelle der Lebenskraft, verließ beim Tod den Leichnam, blieb aber in dessen Nähe. Ba war im Leben schon vorhanden, trat erst beim Tod hervor, der leibliche Tod bedeutete für ihn eine Art Geburt. Er wurde meist als Vogel, oft mit Menschenkopf, dargestellt. Ach, der Lichtgeist, war die Verklärungsseele eines Verstorbenen und beschrieb den Zeitpunkt der Seelenumwandlung eines Toten, um in das Jenseits übergehen zu können. Die Seelen nach den altägyptischen Vorstellungen waren weder immateriell noch unzerstörbar. Vor der Entstehung des Körpers existierten sie nicht, Reinkarnation wurde nicht in Betracht gezogen. Das Totengericht war ein göttliches bzw. jenseitiges Gremium, wo ihr Herz mit einer Waage gegen die Wahrheit abgewogen wurde.

Der Islam bezeichnet mit „nafs“ das Selbst, aber auch die „menschliche Seele“. Daneben findet sich das Wort „rūḥ“, das ursprünglich Atem, Wind und Hauch Gottes bedeutet (Vitalseele). Namhafte muslimische Philosophen, wie al-Kindi († 873), al-Farabi († 950) und Avicenna († 1037) gingen von der aristotelischen Seelenlehre aus und waren von der neuplatonischen Metaphysik beeinflusst. In Avicennas Modell geht die Seele aus dem aktiven Intellekt hervor; sie ist immateriell, unzerstörbar, unsterblich und nicht notwendig an den Körper gebunden. Unter vielen weiteren Philosophen gab es u.a. Anhänger der antiken Auffassung, dass es eine Weltseele gebe und die menschlichen Seelen deren Ausfluss ist.

Angefangen mit den weltweiten uralten Ahnenkulten für die Geister der Verstorbenen bis zu heutigen Religionen, Philosophien und Ansichten der Psychologie, Theologie, Anthropologie, Theosophie, Anthroposophie, Spiritismus und Parapsychologie existieren viele weitere Vorstellungen zur Seele. Sie berühren meist die gesamten Gefühle und geistigen Geschehen beim Menschen (siehe auch Wikipedia: Seele).

„Entrüstung ist ein erregter Zustand der Seele,

der meist dann eintritt, wenn man erwischt wird.“

Zitat von: Wilhelm Busch

„Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet.“

Zitat von: David Hume

„Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern.“

„Freude ist die Gesundheit der Seele.“

Zitate von: Aristoteles

Ursachen u.a.: Ansicht, Anspruch, Antrieb, Akzeptanz, Anerkennung, Auffassung, Aufmerksamkeit, Besonnenheit, Beständigkeit, Bewusstsein, Bindung, Charakter, Charisma, Denken, Echtheit, Ehre, Eigenschaft, Einfluss, Einsicht, Einstellung, Eltern, Emotion, Empathie, Engagement, Entschlossenheit, Entwicklung, Erfahrung, Erkenntnis, Erregung, Erwartung, Erziehung, Ethik, Extraversion, Fähigkeit, Freiheit, Fünf-Faktoren, Geburt, Geduld, Gefallen, Gefühl, Geist, Gelassenheit, Gemeinschaft, Gemüt, Gerechtigkeit, Gesinnung, Gestaltung, Gestik, Gewissen, Glaube, Großzügigkeit, „Das Gute“, Gutmütigkeit, Haltung, Hoffnung, Humor, Ideal, Identität, Individuum, Intellekt, Introversion, Kind, Kommunikation, Kreativität, Kritik, Kunst, Lachen, Leben, Leidenschaft, Leistung, Liebe, Lob, Loyalität, Macht, Mäßigung, Maske, Menge, Mentalität, Merkmal, Methode, Mimik, Mitgefühl, Moral, Motivation, Mut, Mythologie, Nähe, Neuerung, Offenheit, Optimismus, Persönlichkeit, Psyche, Psychologie, Reaktion, Realität, Religion, Respekt, Schutz, Sein, Selbstachtung, Selbstbestimmung, Selbstbild, Selbsterhaltung, Selbsterkenntnis, Selbstlosigkeit, Selbstverwirklichung, Selbstwert, Selbstvertrauen, Sicherheit, Solidarität, Sozialisation, Stolz, Symbol, Sympathie, Tapferkeit, Temperament, Theater, Theorie, Tod, Treue, Tugend, Unbewusstheit, Unsterblichkeit, Unterbewusstsein, Veränderung, Verantwortung, Vergebung, Vernunft, Verstand, Verträglichkeit, Vertrauen, Vorbild, Vorstellung, Wahrheit, Wahrnehmung, Weisheit, Werte, Wille, Wirklichkeit, Wissen, Wunsch, Würde, Zeichen, Ziele, Zivilcourage, Zufriedenheit, Zustand, Zuverlässigkeit, …

Gegenteile, negativ: Aggression, Angst, Bedrohung, Bevorzugung, Bosheit, Charakterlosigkeit, Depression, Destruktivität, Eifersucht, Endgültigkeit, Feigheit, Feindseligkeit, Gemeinheit, Gier, Hass, Hilflosigkeit, Hochmut, Hysterie, Ignoranz, Intrige, Krankheit, Laster, Missachtung, Missgunst, Misstrauen, Narzissmus, Neid, Panik, Phobie, Psychose, Rache, Sadismus, Scham, Scheu, Schlechtigkeit, Spott, Stolz, Unehrlichkeit, Ungeduld, Unsicherheit, Untreue, Verbrechen, Verrat, Wut, Zwang, …

… s.a.: Besorgnis, Einsamkeit, Fehler, Gleichgültigkeit, Impulsivität, Problem, Sorgen, Selbstmitleid, Ungewissheit, Verwundbarkeit, Zweifel, …

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